ekel

Wer verstehen will, warum Herr Maas beständig angeekelt in die Kamera schaut (und dadurch auf uns), wer verstehen will warum die SPD in Düsseldorf erfolgreicher als in Stuttgart ist und die niederrheinische SPD die niederländische PvA weit deklassiert, und wer wenigstens etwas niederländischen lesen kann, dem seien die Artikel von Rene Cuperus aus Groningen empfohlen (speziell: „Het Humeur van Nederland. Waar het om draait in de huidige politiek“).

Die These des Autors – der ein Sozialdemokrat mit dem schönen offiziellen Titel des „Parteiideologen“ – ist, daß die Spaltung nicht zwischen Oben und Unten verläuft, sondern zwischen arriviert und unarriviert. Die politischen „Eliten“ verachten das Volk. So wie in einer überdrüssigen Ehe: Sie mag nicht mehr wie das Volk spricht, sie mag nicht mehr wie das Volk denkt, wie es heute scherzt und welche Musik es heute hört. Würde sie das Volk öfter riechen können, würde sie auch das nicht mögen.
Sie hält das Volk einfach für degoutant und meint sich von dem selben isolieren zu können und zu dürfen. Die EU ist dabei das Vehikel dieser Abgrenzung (das meinte Herr Maas wohl mit seinem ungläubigen „Ach so…“ als Herr Sulík erwähnte, man müsse sich dem Volkswillen in der Demokratie beugen, wenn dieser die Abschaffung der EU fordere).

Nun ist es wirklich nicht verwerflich andere Leute nicht zu mögen oder degoutant zu finden. Verwerflich ist es aber,

  • sich dabei auf Ferdinand Lassalle zu berufen und es gleichzeitig an jeder Art von Solidarität mit den „einfache Menschen“ fehlen zu lassen.
  • Es ist verwerflich sich „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ zu nennen, wenn man die Idee „Deutschland“ für ein Konzept aus dem vorletzten Jahrhundert hält,
  • und es ist verwerflich wenn man all die – glänzenden und zweifelhaften – Beiträge der SPD zur nationalen (sic!) Geschichte vergisst.
  • Es ist verwerflich, den einen Menschen – hier den Migranten – als Werkzeug der Selbstaffirmation zu mißbrauchen, die anderen aber schlicht als „Pack“ zu wahr zu nehmen.

Aber da sind natürlich die Mitglieder der SPD in der Regierung Merkel nicht allein mit ihrer Gesinnungen – nur besonders Bigott sind sie und ihre permanenten Talkshow-Partner schon…

In diesem Ekel befangen versuchen sich die Eliten Europas seit Jahren das Wolkenkuckucksheim einer neuen postnationalen Identität in Brüssel zu bauen. Und daher unterstützen sie auch alles, was den alten Narrativ des Nationalstaats unterminiert. Wohl letztlich vergeblich.

Und so wird diese Geschichte wohl erst dann enden, wenn die alte Geschichte von den Nationen als Legitimation des Herrschaftsanspruchs mit der neuen noch unausgegorenen – vielleicht auf Empathie gründenden Herrschaftserzählung – kollidiert. Und man kann nur hoffen, das dieser Zusammenstoß nicht so verläuft wie die letzten Male als soziale Narrative kollidierten. Es wahren die Erzählungen von „Freiheit“, „Nation“, „Rasse“, „Gleichheit“ die uns 150 Jahre lang immer wieder zugrunde gerichtet haben.

Und sollte es dieses mal am Humor liegen, wie Cuperus meint? Wie Bitter!

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