Publikationen mit dem Anspruch “Meinungsbildend” zu sein, werden seit der Aufklärung an der Transparenz ihrer Arbeitsweise gemessen.
In seinem Editorial “Das Menetekel von Köln” beklagt der FAZ-Autor Köhler die “politische Schweigespirale” in die seit dem Sommer 2015 das Thema “Flüchtlinge” eingesponnen worden sei.
Er verschweigt dabei jedoch die aktive und bewusste Beteiligung  des Mediums FAZ an eben dieser Schweigespirale, die doch in den Seiten seiner Publikation offen vorliegt.

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Nicht hören wollen (updated: 20.03.2015)

Zur Vorgeschichte

Das Medium „FAZ“ unterstützte nach der „Wir schaffen das!“-Botschaft Frau Merkels den Kurs des SPD-CDU Kabinetts mit einem rigiden Shutdown der Beiträge, die von der der geschätzten Leserschaft in den Foren der FAZ entgegengenommen wurden

13.07.2015: 2500 zugelassene Beiträge
13.09.2015: 150 zugelassene Beiträge

mit der Begründung dass es zu viele ungeeignete Beiträge zur Flüchtlingsfrage gegeben habe. Alle Artikel in diesem, die öffentliche Diskussion im vierten Quartal 2015 beherrschenden Themenkreis, wurden ohne Lesermeinungs-Foren veröffentlicht. Andere Publikationen der Größenordnung der FAZTAZSDSPONZEIT-Gruppe gingen ähnlich vor.

Die “geistig-moralische Wende”

Nun aber, nach einer Silversternacht in Köln, deren Verwertbarkeit im publistisch-politischen Komplex zunächst unterschätzt wurde, dann aber, so ungefähr seit dem 4.1.2015, 9:30h (Evidenz: Erster DLF Beitrag der die in einem Polizeibericht hergestellte Verbindung zwischen den Kölner Ereignissen und „Männern südländischem Aussehens“ transportierte) öffnet das Medium FAZ die Pforten der Lesermeinungen zum Thema “Mitten in Köln“. Und die Meinungen entsprechen dieses Mal wohl den Erwartungen, die die Herausgeberschaft an Ihr Publikum hat.

Überraschend allerdings ist, das sich dieses Medium in Person seines Autos Köhler in einem Kommentar mit dem Titel „Das Menetekel von Köln“ über die „politisch gewollte“ Schweigespirale auslässt, die es nach dem 4. September (dem „Wir schaffen das!“-Moment) gegeben habe. Ganz so, als sei er selber vollkommen unbeteiligt an dieser.

Wie die Zahlen (s.o.) aber deutlich zeigen, hat die FAZ ihr Publikum seit dem Sommer selbst bewusst zum Schweigen gebracht. Das besagte Editorial des Herrn Köhler erscheint vor diesem Hintergrund – wie soll man es formulieren – nun ja, “ungeschickt”…

Interessant übrigens, das die „klugen Köpfe“ der Leserbriefschreiber sich für die nun im Januar 2016 neu gewährte „Freiheit der Meinungen“ und seinen „mutigen Kommentar“ artig bedanken.

Um das oben Gesagte – daß im Kern ja nicht wirklich überraschend ist und daher etwas schwarzbrotmäßig daher kommt – vielleicht doch etwas zu transzendieren, sei hier an einen Text aus “Der Spiegel” Nr. 6, 1993 erinnert.

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